LIFO (Last In, First Out) ist eine Bestandsbewertungsmethode, bei der der neueste Bestand zuerst als verkauft gilt; unter US GAAP erlaubt, unter IFRS nicht.
LIFO (Last In, First Out) ist eine Bestandsbewertungsmethode, die den zuletzt eingekauften Bestand als zuerst verkauft oder verbraucht behandelt. Bei steigenden Preisen werden die neuesten, teuersten Kosten zuerst Verkäufen zugeordnet - niedrigerer ausgewiesener Gewinn und in den USA niedrigere aktuelle Steuer. LIFO ist unter US GAAP erlaubt, unter IFRS verboten - praktisch eine amerikanische Methode.
Wie LIFO funktioniert
Wie FIFO denkt auch LIFO in „Schichten” - jeder Einkauf bildet eine Schicht zum jeweiligen Preis. Der Unterschied liegt in der Verbrauchsrichtung: Unter LIFO werden Verkäufe aus der neuesten Schicht bedient. Ältere Schichten können jahrelang unberührt in den Büchern stehen bleiben, eingefroren zu ihren ursprünglichen Einkaufspreisen.
Entscheidend ist: LIFO ist eine Annahme über den Kostenfluss, keine Regel für die Handhabung. Ein Großhändler kann physisch den ältesten Bestand zuerst entnehmen - und das mit regelmäßigen Cycle Counts überprüfen - und auf dem Papier dennoch die LIFO-Bewertung anwenden. Bücher und Regal dürfen sich darüber, welche Einheit „herausgegangen” ist, durchaus uneinig sein.
Rechenbeispiel
Ein Händler kauft denselben Artikel zweimal:
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- des Monats: 100 Stück à 2,00 €
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- des Monats: 100 Stück à 2,50 €
Er verkauft 150 Stück. Unter LIFO:
- Die ersten 100 verkauften aus der neuesten Schicht: 100 × 2,50 € = 250 €
- Die nächsten 50 aus der älteren: 50 × 2,00 € = 100 €
- Wareneinsatz: 350 €
- Endbestand: 50 Stück × 2,00 € = 100 €
FIFO bei gleichen Fakten: Wareneinsatz 325 €, Endbestand 125 €. Gleiche Einheiten, gleiche Verkäufe - LIFO weist 25 € weniger Gewinn und niedrigeren Bestandswert aus, weil die Preise zwischen den Einkäufen stiegen.
Wo LIFO erlaubt ist
LIFO ist unter US GAAP und im US-Steuerrecht erlaubt, gebunden an die Konformitätsregel: Wer LIFO für die Steuer nutzt, muss es auch im Abschluss anwenden. IFRS verbietet LIFO - Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, also praktisch alle Börsennotierten in EU und UK, nutzen FIFO oder den gewichteten Durchschnitt. Außerhalb der USA ist LIFO vor allem ein Begriff, den man kennen sollte, keine Methode, die man anwendet.
LIFO vs. FIFO in der Praxis
Praktische Unterschiede bei steigenden Preisen:
- Gewinn und Steuer - LIFO weist niedrigeren Gewinn jetzt aus; FIFO höheren.
- Bilanz - LIFO führt Bestand zu alten Preisen, die jedes Jahr weiter von der Realität abdriften; FIFO näher am Ersatzwert.
- Komplexität - LIFO-Schichten brauchen sorgfältige Buchführung; die Lücke zwischen Buchwert und Marktwert (LIFO-Reserve) muss erfasst und offengelegt werden.
Eine Falle ist die LIFO-Liquidation: Sinkt der Bestand - etwa nach gezieltem Abbau oder einem Stockout ohne vollständige Auffüllung -, greifen die Verkäufe auf alte, günstige Schichten zurück, und über Jahre aufgeschobener Gewinn schlägt in einer einzigen Periode zu Buche. Betriebe, die ihre Mengen stabil um einen sinnvollen Par Level halten, legen diese Schichten nicht versehentlich frei.
Typische Fehldeutungen
Zwei Irrtümer begegnen einem ständig. Erstens die Annahme, LIFO beschreibe die physische Rotation - den neuesten Bestand zuerst zu verkaufen, ist meist schlechte Praxis (alter Bestand verdirbt oder geht als Inventurdifferenz verloren), und LIFO verlangt das auch gar nicht. Zweitens die Annahme, die Wahl der Methode sei frei - tatsächlich bestimmt der Ort, an dem Sie bilanzieren, was erlaubt ist, und unter IFRS lautet die Antwort schlicht: nein.
Verwandte Begriffe
- Par Level - Mindestmenge auf Lager; stabile Mengen verhindern versehentliche LIFO-Liquidation
- Inventory Shrinkage - Verlust durch Verfall, Schaden, Diebstahl oder Fehler
- Backorder - Auftrag angenommen, während der Artikel kurzzeitig nicht verfügbar ist
- Stockout - wenn ein Artikel vollständig ausverkauft ist
- Cycle Count - rollende Teilinventuren, die Bestandsnachweise unabhängig von der Bewertungsmethode ehrlich halten